Schlesisches Museum, Katowice, Polen

Die Stadt Katowice ist wie viele Städte Oberschlesiens in ihrer Geschichte eng mit den Themen Schwerindustrie und Bergbau verbunden. Diese bilden einerseits zu einem großen Teil als identitätsstiftendes kulturelles Erbe das kulturhistorische Rückgrat der Region, andererseits haben sie markante künstliche Landschaften, Industrieanlagen und Gebäude hinterlassen. Diese sind im kollektiven Bewußtsein als unverwechselbar und damit identitätsstiftend verankert, stellen aus baulicher Sicht jedoch oftmals eine Herausforderung dar, da sie eben ursprünglich für sehr spezifische Nutzungen konzipiert wurden, die in einer zunehmend globalisierten Dienstleistungsgesellschaft an Bedeutung verloren haben und die aufgrund ihres bisweilen nur mehr musealen Charakter oftmals mit erheblichem Aufwand adaptiert werden müssen bzw. mangels schlüssiger Nachnutzungskonzepte gänzlich brachliegen.

Die Situation in Katowice ist insofern speziell zumal sich die Kohlegrube in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum befindet. Dies ermöglichte die einmalige Chance, in einem zentrumsnahen Bereich in einer der zukünftigen Wachstumsregionen Europas sowohl städtebaulich, als auch landschaftsplanerisch und architektonisch einerseits lokal gezielte Akzente zu setzten, andererseits ein Impulsprojekt für eine zukunftsweisende postindustrielle Nachnutzung vergleichbarer Areale – sowohl regional als auch überregional – zu initiieren. Das Museumsprojekt dient diesbezüglich als Ausgangspunkt einer langfristigen und sicherlich nachhaltigen Umnutzung und Neubelebung eines großen zentral gelegenen Areals inmitten der Stadt.

Das Konzept basiert auf dem Versuch mit minimalen Eingriffen nach außen hin ein großzügiges Angebot an Museumsnutzungen anbieten zu können. Das Museum wie auch der Infopoint entwickeln ihr Raumprogramm in Anlehnung an die ehemalige Bedeutung und als Hommage an die ehemalige Funktion des Geländes zur Gänze unterirdisch. Nach außen hin tritt der gesamte Komplex ausschließlich durch die abstrakten Glaskuben der Verwaltung, der Erschließung und der Klimatisierung in Erscheinung, die so dimensioniert sind daß Sie sich harmonisch in das Ensemble der bestehenden Gebäude einfügen. Zusammen mit dem neu geschaffenen Netz aus Wegen, Plätzen und Grünanlagen ergibt sich so ein feingliedriger öffentlicher Naherholungsraum, ein „Stadt-Park“ im besten Sinn. Der Entwurf sieht dementsprechend auch eine behutsame Adaptierung bestehender Gebäude als Cafe und als Wohn- und Arbeitsgebäude für Artists in Residence vor. Der bestehende Turm „Warszawa“ wird durch Anbau eines Lift- und Treppenturms ebenfalls für Besucher zugänglich und bietet einen Blick über ganz Katowice.

Riegler Riewe